Die Kleinkunstbühne des
Migros-Kulturprozent.

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Marco Tschirpke

Lapsuslieder

Kein Zweiter drückt das Wesentliche so knapp und komisch mit textlichen Entgleisungen und einem Höchstmass an musikalischer Virtuosität aus wie das lausbübische Wunder aus Berlin Marco Tschirpke.

Marco Tschirpke

Harry Schnitger

Lapsuslieder

In der Kürze liegt die Würze. Das Programm von Marco Tschirpke ist kein Einschwenken in die grassierende Zap-Kultur. Was der frischgekürte Publikumspreisträger des «Stuttgarter Besen 2005» als Lapsuslieder bezeichnet, das sind Meisterwerke der Andeutung und des Unvollständigen. Ob es um des Försters neue Kleider geht oder ums Heiraten – Tschirpke drückt das Wesentliche knapp und komisch aus. Stücke von 20 Sekunden Länge sind im Repertoire dieses ungewöhnlichen Kabarettisten keine Seltenheit. «Lapsuslieder» nennt er diese Songminiaturen. Textliche Entgleisungen, dargeboten mit einem Höchstmass an musikalischer Virtuosität, machen ihn gleichermassen zum Komiker und Klangkünstler. Der 30-Jährige sieht zwar aus, als könne er kein Wässerchen trüben, hat es jedoch faustdick hinter den Ohren. So kommentiert er Rapunzels Kurzhaarschnitt mit Kraftausdrücken und denkt über die versiegenden Einnahmequellen einer Bäuerin nach («Mit dem Tod meines Mannes ist das letzte Rindvieh vom Hof gegangen»). Freizügig wirft er gängige Reimschemata über Bord und dichtet nach eigenen Regeln; kippt Textinhalte um, spielt mit Erwartungen und lässt das Publikum zappeln. Es ist nicht zu überhören: Da stimmt einer ganz neue, freche Töne in Sachen Klavierkabarett an.

Marco Tschirpke

Marco Tschirpke (Jahrgang 1975) studierte nach einer Berufsausbildung die Fächer Tonsatz und Klavier an der Folkwang-Hochschule in Essen. Seit 2003 tritt er mit seinen Lapsusliedern auf.