Die Kleinkunstbühne des
Migros-Kulturprozent.

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Thomas C. Breuer

Letzter Aufruf

Der Kabarettist und Schriftsteller Thomas C. Breuer startet ins 40. Jahr seiner Laufbahn. Was liegt da näher, als sich dieses Themas anzunehmen – Breuer spielt auf Zeit. «Letzter Aufruf! Abschiedstour Vol. 1» heisst sein neuestes Programm in einer absolut schweizkompatiblen Version.

Thomas C. Breuer

Patrik Kummer

Letzter Aufruf

Neues ist gekommen – und längst schon wieder verschwunden. Verschwunden wie die Telefonzelle, der Kassettenrekorder, der Sendeschluss oder Gelder auf irgendwelchen Konten. Wie Gorbi, Wojtyla oder Ruth Metzler. Glücklicherweise werden die aktuellen Plagegeister bald zu den Verschwundenen gehören – wie übrigens auch die Kabarettisten, also nutzen Sie Ihre Chance! In einem gekonnten Wechselspiel zwischen Zeitlupe, Echtzeit und Zeitraffer reist Breuer von der Vergangenheit in die Zukunft und präsentiert dabei seine wohltuende, manchmal tröstliche, aber meist unverschämte Sicht auf die Dinge des Lebens, u. a. widmet er sich natürlich der Frage, ob die Schweizer tatsächlich langsam sind. Breuer ist so aktuell wie zeitlos, durchaus oft seiner Zeit voraus, er hat sich nie verstellt und selten verkauft. Ausgestattet mit fast 40 Jahren Bühnenerfahrung, die zwangsläufig auch eine gewisse Selbstironie mit sich bringen, ist er immer für eine überraschende Wendung gut: Ein paar Mundgreiflichkeiten und, wenn es sich anbietet, auch einmal ein Hit aus früheren Tagen: Sein Fundus ist riesig. Schnell merkt der Zuschauer, dass das Wort «Haltung» nicht nur im orthopädischen Sinn zu gebrauchen ist. Breuers Kunst ist nicht mit Comedy zu verwechseln, denn hier wird noch – geradezu altmodisch – Wert auf geschliffenes Hochdeutsch gelegt, denn Breuer ist eine jener Bühnenpersönlichkeiten, wo am bestesten Deutsch spricht. Der Lauf der Zeit kann also unterhaltsam sein, wenn man einen langen Atem wie Breuer hat und am Ende des Abends wird sich jeder wundern, wie schnell die Zeit vergangen ist. Und eines noch – Barry Ryan hatte recht: Die Zeit macht nur vor dem Teufel halt.

Thomas C. Breuer

Geboren wurde Thomas C. Breuer in Thüringen (1952 in Eisenach), zu leben pflegt er in Baden-Württemberg (Rottweil) und zu denken gibt ihm die Schweiz. So ähnlich könnte man die Biografie und Geografie des sensiblen Beobachters und Sprachkünstlers zusammenfassen. Seit 1976 ist er ununterbrochen auf den Bühnen in Deutschland, der Schweiz und in Nordamerika unterwegs. Als Wortakrobat und Meister der Dialekte geht er mit Sprache um wie kein Zweiter. Seine Wortspiele und -verdrehungen sind ebenso tiefsinnig wie witzig und erlauben so dem Publikum, ihm gedanklich um so manche zuvor nicht gedachte Ecke zu folgen. Der Preisträger des Salzburger Stier 2014 für die Schweiz, präsentiert mit «Letzter Aufruf» sein neues Programm. Thomas C. Breuer ist auch Buchautor und hat m April 2015 sein neuestes Buch, «Jack Kerouac konnte nicht Autofahren», beim Info Verlag Karlsruhe in Lindemanns Bibliothek herausgebracht. Beim Oltener Knapp Verlag hat er mehrere Bücher über die Schweiz herausgebracht.