Die Kleinkunstbühne des
Migros-Kulturprozent.

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Sarah Hakenberg

Struwwelpeter reloaded

Selten kann man sich als Publikum so genüsslich und ohne die Spur eines schlechten Gewissens solchen bitterbösen Spitzen und Gemeinheiten hingeben. Sarah Hakenberg gibt sich in dieser Zürcher Premiere raffiniert hinterlistig, mit sonnigem Gemüt und musikalisch kompetent.

Sarah Hakenberg

© PNP/Pierach

Struwwelpeter reloaded

«Willkommen in der Champions League!» lobpreiste die Süddeutsche Zeitung Sarah Hakenberg zu ihrem dritten Soloprogramm «Struwwelpeter reloaded», in dem die Kabarettistin und Liedermacherin die allseits bekannten Geschichten vom Struwwelpeter in die heutige Zeit versetzt. Statt des Zappelphilipps erklingt die Hymne von der Ritalin-Aline, Hans-guck-in-die-Luft verwandelt sich in Mandy-guck-aufs-Handy, ein scheinbar fröhliches Kinderfest der NPD löst die Geschichte vom schwarzen Buben ab, und der Suppenkasper erscheint als draller Kalle, der auf dem Spielplatz versehentlich in der Röhrenrutsche steckenbleibt.

 

Sarah Hakenbergs Markenzeichen ist die Diskrepanz zwischen scheinbarer Naivität und purer Boshaftigkeit, zwischen charmantem Lächeln und teuflisch leuchtenden Augen, zwischen vordergründiger Harmlosigkeit und hintergründigem, staubtrockenem Humor.

Ohne sich in Ton oder Darstellung zu vergreifen, gibt die Musikkabarettistin, die 1978 in Köln geboren wurde, menschliche Be- und Unbefindlichkeiten preis. Das ist Kabarett, das Intelligenz und darstellerisches Können in sich vereint. Kunst eben.