Die Kleinkunstbühne des
Migros-Kulturprozent.

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Jevgenij Sitochin

Und Du bist raus

Der Portier aus der (inzwischen abgesetzten) Kultursendung «Hotel B» auf SF DRS heisst eigentlich Sitochin und ist Pantomime und Clown. Im Migros-Hochhaus am Limmatplatz in Zürich zeigt er sein bezauberndes Solo-Programm «Und Du bist raus».

Jevgenij Sitochin

Und Du bist raus

Ein kleiner Mann erwacht, irgendwo im Raum, allein. Dazu ein Koffer, Kerzen, Federn und andere Utensilien, vor allem eine akustische Geburtstagskarte, die spielt, sobald sie aufgeklappt wird. Der Mann ist in Katastrophenstimmung.
Es ist der grösste anzunehmende Unfall im Single-Dasein: Er hat Geburtstag, und keiner kommt. Der Alleingelassene ärgert sich, ist verzweifelt. Es bleibt nur die Phantasie als Trost vor der Einsamkeit der schwarzen Bühne. Er erträumt sich seine Gäste. Ein Bühnenkosmos entsteht, der in seiner Schönheit und Naivität an die Filmwelten des Charlie Chaplin erinnert. Dabei wird der Körper Sitochins selber zu einem Instrument, mit dem er unnachahmlich zu spielen weiss. Die dynamische Einheit aus Gestik, Mimik und Körperbewegung gerät zu einer wunderbar plastischen Sprache ohne Worte, die einer geheimen Gravitationslinie folgt. Vielleicht erzählt Sitochin seine eigene Geschichte: ein Schauspieler aus Moskau, allein im Westen, der nichts hatte ausser sich und das Theater.
Der Bewegungspoet Jevgenij Sitochin nennt seine fast wortlose Pantomime-Revue nach dem Abzählreim... und du bist raus. Er entzieht sich jeder Beschreibung, findet faszinierende Kurzgeschichten im Nichts und erzählt mit dem Körper ein Theater der kleinen Dinge.
Als Unbekannter brachte er in Mainz sein erstes Solo-Stück auf die Bühne – und begeisterte auf Anhieb. Seither ist ein Jahrzehnt vergangen und der Moskauer Schauspieler und Regisseur beglückte in Deutschland und Österreich das Publikum namhafter Bühnen.