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Migros-Kulturprozent.

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Hohe Stirnen

Absecklen, wenn es Zeit ist

In einem geradezu symbiotischen Zusammenspiel von Wort und Klang erzählen Pedro Lenz und Patrik Neuhaus die fiktive Geschichte des Melancholikers Prudenz Meister.

Hohe Stirnen

Absecklen, wenn es Zeit ist

Pedro Lenz, der Berner Autor und «Bund»-Kolumnist, ersann die Kunstfigur Prudenz Meister zunächst für die Zeitschrift «Eigen-Art» – und nicht einmal die Redaktion merkte, dass sie erfunden war! Daraufhin begann das Eigenleben der Figur, das auch zum irrtümlichen Eintrag im Bibliothekskatalog führte und Lenz nicht mehr losliess: «Prudenz Meister verfolgte mich – er war am Schluss beinahe realer als Leute, die ich kenne.» Und so liest der Autor in einem Hochdeutsch, das den Berner nicht verleugnen will, die Geschichte vom Universalgenie, vom Prudenz: Prudenz’ Vater war ständig durstig und er hatte eine Mutter, die krank war an der Seele. Nur der kleine Dänzi ist ihr Augenstern. Und der merkt schon bald ein paar Sachen, die andere ein ganzes Leben lang nicht kapieren. Er beschliesst eines Tages, dass er das Meer nicht nur in Büchern bestaunen will und das heisst für ihn «absecklen, wenn es Zeit ist». «Absecklen» auch vor Marie-Louise, der «Aaretaube» - verheiratet und Projektionsfläche für Prudenz’ romantische Sehnsüchte und Fantasien. Bei ihr wird er zum Wolkenschieber, zum Liebesbriefprinz. Auf der Suche nach Antworten treibt es den Heimwehberner Prudenz Meister in die Welt hinaus. Ruhelos getrieben fragt sich der Hin- und Hergerissene: was ist Glück? Warum will man so sein, wie man nicht geworden ist? In höchster Harmonie stimmen der Klavierspieler und der Erzähler Musik und Literatur aufeinander ab und skizzieren das Bild einer faszinierenden Figur, eines Dichters und Denkers, der einen Rucksack voll zerschlagenen Geschirrs mit sich herumträgt und dessen Herz sich manchmal anfühlt «wie ein nasser Bodenlumpen»..

Hohe Stirnen

Pedro Lenz (Geschichten, Gedichte, Kolumnen) erzählt mit vordergründiger Harmlosigkeit über vermeintliche Nebensächlichkeiten, die das Leben ausmachen.
Patrik Neuhaus spielt bald feinfühlig melancholisch, bald heiter, bald mit bezauberndem Charme von Kinderliedern Musik auf Klavier und Akkordeon zu den Texten von Lenz oder als Überleitung dazwischen.
Das Duo Hohe Stirnen ist mit seinen ersten beiden Programmen «Miniaturen» und «Teilwahrheiten» durch die ganze Schweiz getourt und ist mit der neuen Produktion nun erstmals in Zürich.